Datenschutz Dokumentation: KI Assistenten mit automatischem Datenschutz Filter

Nachweis der technischen Maßnahmen zum Schutz personenbezogener Daten bei der Nutzung von KI Assistenten (LibreChat) im Landesbetrieb Bildungsbau Hamburg

Erstellt am 25.07.2026  ·  Digitalisierung und Prozessmanagement  ·  Standort: Hetzner Server im Standort Nürnberg

Inhalt

  1. Worum geht es?
  2. Die Ausgangslage: KI Chatbots und Datenschutz
  3. Unsere Schutzmaßnahme im Überblick
  4. Wie der Schutz Schritt für Schritt funktioniert
  5. Welche Daten automatisch erkannt werden
  6. Zusätzlicher Inhaltsfilter: Blockade sensibler Eingaben
  7. Der PII Tester: Werkzeug für die Mitarbeiter
  8. Die Admin Oberfläche: Pflege der Erkennungsregeln
  9. Die Chat Oberfläche: LibreChat
  10. Technische Umsetzung (für die IT)
  11. Was nach draußen geht – und was nicht
  12. Zusammenfassung und Fazit

1. Worum geht es?

Diese Dokumentation beschreibt die technischen Vorkehrungen, die getroffen wurden, damit keine personenbezogenen Daten (Namen, Adressen, Krankenkassennummern, IBANs etc.) unbemerkt an externe KI Anbieter im Ausland übermittelt werden.

Der Landesbetrieb Bildungsbau Hamburg setzt KI Assistenten ein, um den Mitarbeitern bei der täglichen Arbeit zu helfen (z. B. E Mails formulieren, Dokumente zusammenfassen). Damit die Eingaben der Mitarbeiter nicht ungeschützt an fremde Server gehen, wurde ein eigener Sicherheitsfilter auf unserem Hetzner Server im Standort Nürnberg installiert. Er prüft jede Eingabe, bevor sie das Haus verlässt, und ersetzt sensible Daten durch harmlose Platzhalter.

Kurz gesagt: Ehe ein Text an eine KI im Ausland geschickt wird, läuft er auf unserem Server durch einen Filter. Der Filter ersetzt alle Namen, Nummern und Adressen durch Platzhalter wie <PERSON> oder <IBAN_CODE>. Die KI im Ausland bekommt nur diesen gesäuberten Text zu sehen.

2. Die Ausgangslage: KI Chatbots und Datenschutz

KI Assistenten wie LibreChat sind nützlich, arbeiten aber mit externen Anbietern zusammen (z. B. OpenRouter, der wiederum Modelle wie Claude oder GLM bereitstellt). Diese Anbieter verarbeiten die Anfragen auf Servern außerhalb unserer Kontrolle.

Ohne Schutzmaßnahme würde das passieren:

Das Problem: Ein Mitarbeiter gibt in den Chat ein: „Hans Müller, Steuer ID 86095742719, IBAN DE89 3704 0044 0532 0130 00“. Ohne Filter geht dieser Text ungefiltert an den externen Anbieter – mit allen echten Daten. Diese Daten wären dort gespeichert, für Training oder Protokolle sichtbar und dem Zugriff des Landesbetriebs entzogen.

Das ist mit dem Datenschutz nicht vereinbar. Deshalb wurde der in diesem Dokument beschriebene Filter eingerichtet.

3. Unsere Schutzmaßnahme im Überblick

Zwei kostenlose, quelloffene („Open Source“) Programme bilden den Kern des Schutzes. Beide laufen auf unserem Hetzner Server im Standort Nürnberg:

LiteLLM

Vergleichbar mit einem Pförtner. Jede Anfrage an die KI läuft durch LiteLLM. Es ist die zentrale Stelle, die entscheidet, was nach draußen darf und was nicht. LiteLLM ist ein anerkanntes Open Source Projekt.

Zusätzlich zum Datenschutz Filter (Presidio) bringt LiteLLM einen eigenen Inhaltsfilter mit Blockierlisten mit. Damit lassen sich bestimmte Begriffe oder Muster festlegen, die eine Eingabe hart blockieren – die Nachricht wird dann gar nicht erst an die KI weitergegeben. Typisch sind Sperrwörter wie „Passwort“ oder „API Schlüssel“ sowie Zugangsdaten (z. B. GitHub Token, AWS Schlüssel).

Teil dieses Filters sind auch RegEx Filter („reguläre Ausdrücke“). Ein RegEx Filter ist eine Suchregel, die nicht nach einem festen Wort sucht, sondern nach einem Muster. In unserem Fall wird damit zum Beispiel jede deutsche IBAN erkannt: Statt alle möglichen IBANs einzeln aufzulisten, beschreibt die Regel einfach den Bauplan einer IBAN („beginnt mit DE, dann 20 Ziffern“). Alles, was zu diesem Bauplan passt, wird blockiert.

Open SourceEigenbetriebInhaltsfilterBlockierlisten

Microsoft Presidio

Das ist die eigentliche Lupe. Presidio wurde von Microsoft entwickelt und ist ebenfalls Open Source. Es durchsucht Texte nach personenbezogenen Daten und kennt deutsche Besonderheiten (Steuer ID, Krankenkassennummer, Kfz Kennzeichen …).

Im Gegensatz zu einfachen RegEx Filtern (die nur nach starren Mustern suchen) verwendet Presidio ein kleines Machine Learning Modell, das die Sprache tatsächlich „versteht“. Es erkennt einen Namen auch dann, wenn er in einem ungewöhnlichen Satzbau steht, und unterscheidet zum Beispiel echte Orte von zufälligen Wörtern. Dadurch findet Presidio deutlich mehr sensible Daten – und macht weit weniger Fehler als reine Mustersuche.

von MicrosoftOpen SourceDeutsch Unterstützung
2
eigene Programme
(LiteLLM + Presidio)
28
automatisch erkannte
Datenkategorien
13
deutschland spezifische
Erkennungsregeln
0
echte Daten, die
das Haus verlassen

Die KI Assistenten sind über LibreChat erreichbar – eine Chat Oberfläche, die im Landesbetrieb läuft. Alle Modelle (z. B. „Alltagsassistent“, „Fachexperte“) sind so eingerichtet, dass sie zwingend über den Filter laufen. Es gibt keinen direkten Weg zur KI im Ausland.

4. Wie der Schutz Schritt für Schritt funktioniert

Wenn ein Mitarbeiter eine Nachricht schreibt, passiert Folgendes – automatisch und innerhalb von Sekundenbruchteilen:

1

Mitarbeiter schreibt

„Hans Müller, Steuer ID 86095742719“

2

LibreChat

Chat Oberfläche nimmt Nachricht entgegen

3

LiteLLM (Filter)

Pförtner prüft: Ist Filter aktiv? Ja.

4

Presidio sucht

Findet „Hans Müller“ = PERSON, „86095742719“ = DE_TAX_ID

5

Presidio ersetzt

Macht daraus: „<PERSON>, Steuer ID <DE_TAX_ID>“

6

Externe KI

Bekommt nur den gesäuberten Text

7

Antwort zurück

Platzhalter werden bei uns wieder durch die echten Werte ersetzt

Wichtig an diesem Ablauf:

Fazit für den Datenschutz: Die externe KI sieht nur Platzhalter. Eine Wiederherstellung der echten Daten beim externen Anbieter ist nicht möglich, weil ihm die Zuordnungstabelle fehlt.

5. Welche Daten automatisch erkannt werden

Presidio ist für die deutsche Sprache eingerichtet und kennt 28 Datenkategorien, die automatisch erkannt und durch Platzhalter ersetzt werden. Die Liste wurde um Deutschland spezifische Regelungen erweitert.

Alle 28 erkannten Datenkategorien (klicken zum Ausklappen)
Kategorie (Platzhalter)Was erkannt wird
PERSONVor- und Nachnamen (z. B. „Hans Müller“)
LOCATIONOrte, Städte, Länder, Adressen
ORGANIZATIONFirmen, Landesbetriebe, Institutionen
NRPNationalität, Religion, politische Zugehörigkeit
DATE_TIMEDatums- und Zeitangaben
EMAIL_ADDRESSE Mail Adressen
PHONE_NUMBERTelefonnummern
CREDIT_CARDKreditkartennummern
IBAN_CODEIBAN (Bankkontonummern)
IP_ADDRESSIP Adressen von Computern
URLInternetadressen
CRYPTOKrypto Wallet Adressen
MEDICAL_LICENSEApprobationsnummern
MAC_ADDRESSGeräte Adressen
DE_TAX_IDDeutsche Steuer ID (Steueridentifikationsnummer)
DE_TAX_NUMBERDeutsche Steuernummer
DE_PASSPORTReisepassnummern (Deutschland)
DE_ID_CARDPersonalausweisnummern (Deutschland)
DE_SOCIAL_SECURITYSozialversicherungsnummer
DE_HEALTH_INSURANCEKrankenversichertennummer
DE_KFZKfz Kennzeichen
DE_HANDELSREGISTERHandelsregister Nummer
DE_PLZPostleitzahlen
DE_LANRLebenslange Arztnummer
DE_BSNRBetriebsstättennummer (Arztpraxen)
DE_VAT_IDUmsatzsteuer Identifikationsnummer
DE_FUEHRERSCHEINFührerscheinnummern (Deutschland)

Als Sprachmodell nutzt Presidio das große deutsche Modell de_core_news_lg (ein Verfahren der künstlichen Intelligenz zur Spracherkennung, kostenlos und Open Source).

Darüber hinaus gibt es eine Ausnahmeliste („Allow Liste“). Darin können Begriffe eingetragen werden, die von der Erkennung ausgenommen sind – zum Beispiel interne Landesbetriebsbezeichnungen, die fälschlich als Person erkannt würden.

6. Zusätzlicher Inhaltsfilter: Blockade sensibler Eingaben

Zusätzlich zur Ersetzung sensibler Daten gibt es einen zweiten Filter, der bestimmte Eingaben komplett blockiert – sie gehen dann gar nicht erst zur KI:

Was wird hart blockiert?

KategorieBeispiele
Zugangsdaten & SchlüsselPasswort, Kennwort, Zugangscode, API Schlüssel, Datenbankpasswort, admin Passwort, Zugangstoken
Cloud ZugängeAmazon AWS Zugangsschlüssel, geheime AWS Schlüssel, GitHub Token
Deutsche IBANJede vollständige deutsche IBAN wird hart blockiert (zusätzlich zur Maskierung)

Bedeutung: Wenn ein Mitarbeiter versehentlich ein Passwort oder einen Zugangsschlüssel in den Chat eingibt, wird die Anfrage zurückgewiesen. Sie verlässt das Haus nicht.

7. Der PII Tester: Werkzeug für die Mitarbeiter

Damit die Mitarbeiter den Filter selbst ausprobieren und nachvollziehen können, was erkannt und ersetzt wird, gibt es eine eigene Test Oberfläche: den PII Tester. Dort kann jeder beliebige Text oder jede Datei (PDF, Word, Textdatei) hochgeladen werden, um zu prüfen, was der Filter daraus macht. Das ist gewollt: Die Mitarbeiter können so vor dem Einsatz prüfen, ob ihre Daten zuverlässig geschützt sind.

PII Tester Eingabemaske
Abb. 1: Der PII Tester mit einem Beispiel Text (Arztbrief). Mitarbeiter können beliebige Texte einfügen oder Dateien hochladen.

Nach einem Klick auf „PII prüfen“ zeigt das Werkzeug das Ergebnis:

PII Tester Ergebnisse
Abb. 2: Ergebnisansicht. Links der Originaltext mit farbig markierten sensiblen Daten, rechts die bereinigte Version mit Platzhaltern.
Text-Vergleich
Abb. 3: Direktvergleich Original vs. bereinigt. Die durchgestrichenen roten Stellen wurden durch grüne Platzhalter ersetzt.
Entitäten-Tabelle
Abb. 4: Tabelle aller erkannten Daten mit Typ, Originalwert, Ersetzung und Sicherheit (Score).

Was der Tester besonders macht – der Rückmelde Kreislauf

Kein Filter ist perfekt. Deshalb kann der Tester mehr als nur anzeigen:

Datenschutz im Tester: Eingaben werden nicht dauerhaft gespeichert. Die Verarbeitung erfolgt nur für die laufende Sitzung. Nur die gemeldeten Verbesserungen (als Regeln) werden gespeichert – damit der Filter lernt.

8. Die Admin Oberfläche: Pflege der Erkennungsregeln

Ein Administrator kann die selbst hinzugefügten Erkennungsregeln (die aus den Mitarbeiter Rückmeldungen entstanden sind) einsehen, prüfen und bei Bedarf wieder entfernen. Der Zugang ist durch ein Passwort geschützt.

Admin-Login
Abb. 5: Passwortgeschützter Zugang zur Admin Oberfläche.
Admin Oberfläche mit Recognizer
Abb. 6: Ansicht der selbst hinzugefügten Erkennungsregel. In Grün ist dargestellt, was zur Konfiguration hinzugefügt wurde. Über „Entfernen“ kann eine Regel gelöscht werden – der Filter wird dann automatisch aktualisiert.

In dieser Ansicht wird transparent dokumentiert, warum eine Regel hinzugefügt wurde (sie stammt aus einer Mitarbeiter Rückmeldung) und wie sie konfiguriert ist. Änderungen werden sofort wirksam, der Filter Container wird automatisch neu aufgebaut.

9. Die Chat Oberfläche: LibreChat

LibreChat ist die Oberfläche, die die Mitarbeiter im Alltag nutzen. Sie ist ähnlich aufgebaut wie bekannte Chat Programme. Alle dortigen KI Modelle sind so eingerichtet, dass sie zwingend über den Filter laufen – es gibt keinen direkten Weg zur KI im Ausland.

LibreChat
Abb. 7: LibreChat, die Chat Oberfläche für die Mitarbeiter.

Drei vorgefertigte Modelle stehen zur Verfügung („Alltagsassistent“, „E Mail Assistent“, „Fachexperte“). Alle drei nutzen denselben Datenschutz Filter.

10. Technische Umsetzung (für die IT)

Alle Programme laufen als sogenannte „Container“ – das sind voneinander getrennte, in sich geschlossene Programme – auf unserem Hetzner Server im Standort Nürnberg. Die Kommunikation untereinander erfolgt nur über das interne Netzwerk.

BestandteilAufgabeHerkunft
LiteLLMZentrale Anlaufstelle („Pförtner“) für alle KI Anfragen, wendet Filter anOpen Source
Presidio AnalyzerDurchsucht Texte nach sensiblen Daten (deutsches Sprachmodell)Microsoft, Open Source
Presidio AnonymizerErsetzt erkannte Daten durch PlatzhalterMicrosoft, Open Source
PostgreSQL DatenbankSpeichert Anfrage Protokolle (intern, nicht nach draußen)Open Source
PII TesterEigenständige Web Oberfläche zum Testen und PflegenEigenentwicklung
LibreChatChat Oberfläche für die MitarbeiterOpen Source

Die Verbindung nach außen (für die Mitarbeiter) ist über eine verschlüsselte Verbindung (HTTPS) abgesichert. Der einzige externe Empfänger von KI Anfragen ist OpenRouter; die Anfragen enthalten nur Platzhalter, keine echten Daten.

Einschränkungen, an denen noch gearbeitet wird

  • Die Aufbewahrungszeit der internen Protokolle (PostgreSQL) ist noch nicht begrenzt. Eine Lösch Routine ist vorgesehen.
  • Die Zugangskennwörter für die Administration liegen aktuell noch in Konfigurationsdateien. Eine Anbindung an ein zentrales Kennwort System ist geplant.
  • System Anweisungen („System Prompts“) werden vom Filter nicht geprüft. Sie enthalten aber keine Nutzerdaten, sondern nur Anweisungen an die KI.

11. Was nach draußen geht – und was nicht

✔ Verlässt das Haus

  • Gesäuberter Text mit Platzhaltern
    (z. B. „<PERSON>, Steuer ID <DE_TAX_ID>“)
  • Auftragsnummer / Modellname
  • Technische Parameter (z. B. Antwortlänge)

✘ Verlässt NICHT das Haus

  • Echte Namen, Adressen, E Mail Adressen
  • Steuer IDs, Krankenkassennummern, IBANs
  • Ausweisnummern, Führerscheinnummern
  • Die Zuordnungstabelle (Platzhalter → echter Wert)
  • Passwörter und Zugangsschlüssel (werden hart blockiert)

12. Zusammenfassung und Fazit

Mit der beschriebenen Einrichtung wurden wirksame, dem Stand der Technik entsprechende Maßnahmen ergriffen, damit personenbezogene Daten den Landesbetrieb nicht im Klartext verlassen. Konkret:

  1. Jede Eingabe an die KI läuft über einen zentralen Filter (LiteLLM) auf unserem Server.
  2. Der Filter erkennt 28 Datenkategorien, darunter 13 Deutschland spezifische (Steuer ID, Krankenkassennummer, Ausweis etc.).
  3. Ersetzte Daten werden durch Platzhalter ersetzt; die externe KI sieht nur Platzhalter.
  4. Passwörter und deutsche IBANs werden hart blockiert und gehen gar nicht erst nach draußen.
  5. Die Mitarbeiter können mit dem PII Tester den Schutz selbst nachvollziehen und verbessern.
  6. Alle eingesetzten Programme sind Open Source und werden auf dem eigenen Server betrieben.

Die Einrichtung ist damit eine praktische Umsetzung der Anforderungen an den Schutz personenbezogener Daten bei der Nutzung externer KI Dienste.